Eins vorweg: Fangen Sie niemals so an! „Eines vorweg“ – eine beliebte Einstiegsfloskel ist das und vieldeutig kann interpretiert werden, was damit gemeint ist, zum Beispiel: Ich sage jetzt etwas, das wirklich wichtig ist, bevor ich mit meinem Geschwafel fortsetze. Oder: Die mir gestellte Frage will ich nicht beantworten, deshalb sage ich jetzt einmal das, was ich sagen will. Oder: Das ist jetzt einmal nicht so wichtig, also ist es wurscht, ob man mir zuhört.  Auf jeden Fall: „Eines vorweg“ ist unnötig. 

Floskeln gehören sowieso in den Gefrierschrank. Eigentlich sind Floskeln ja schmuckes Beiwerk: „flosculus“, das Blümchen,  gehört in die Vase, nicht in die Rede. Füllwörter sowieso. So wie: sowieso, eigentlich, nämlich, sozusagen, übrigens – dann ist ein langgezogenes „ääähhhmmm“ schon besser; nicht gut, aber ehrlicher. Füllwörter beweisen eigentlich nur, dass der Denkvorgang hängengeblieben ist. Eigentlich nämlich. 

„Im Grunde will ich sagen …“ Ja, dann sag’s! Warum im Grund? Warum überhaupt darauf hinweisen, etwas sagen zu wollen, wenn die Rede ohnehin schon im Fluss ist? Dann red’ doch!

Einer der gescheitesten Sätze ist in seiner kurzen Prägnanz nicht zu übertreffen: „Sagen, was ist“. Besser geht’ nicht. Der deutsche Politiker und Schriftsteller Ferdinand Lassalle hat Mitte des 19. Jahrhunderts als revolutionärste Tat genannt, „das laut zu sagen, was ist“. Nun dient nicht jede freie Rede der Revolution, jedoch nützt es der Verständlichkeit und der Neugier des Zuhörens, wenn das Gesagte laut und prägnant vorgebracht wird – ohne füllendes Beiwerk: eigentlich, irgendwie, an und für sich. Warum sagt man „sozusagen“? Weil’s eigentlich nicht so ist, sondern nur so gesagt wird? Dann sage ich es doch besser so, wie’s ist und nicht nur so dahergesagt. Würde ich meinen. 

Nein!!!! Ich würde nicht, sondern das meine ich! Auch diese konjunktivische Relativierung meiner Ansichten zeigt meinen Zuhörerinnen und Zuhörern allerschlechtstens die Unsicherheit meiner Rede. Eindeutig. Im Endeffekt.  – Womit wir schon wieder bei zwei weiteren Füllwörtern wären, die vermeidbar sind. Aber hallo! Ohne Konjunktiv stimmt’s noch viel mehr!

Die Weisen der Rhetorik nennen diese unnötigen Füllwörter: Weichmacher. Worthülsen und Weichmacher schwächen ab, was der Redner sagen will, was er meint. In den seltensten Fällen will der Redner diesen Eindruck jedoch erwecken. Denn wenn das Gesagte nicht so gemeint ist, wie es gesagt wird, ist es doch besser, es nicht zu sagen, anstatt die Zuhörerinnen und Zuhörer mit unverbindlichen Worthülsen zu füttern.

Einfach gesagt – und in diesem Fall ist „einfach“ kein Weichmacher, sondern die Verheißung, dass es dem Ende zugeht – einfach gesagt: Sagen, was ist.

 

Autor: Hubert Arnim-Ellissen